"Pest" - Fotoserie

“It surprises you every time you look out, even if you are looking at the same place that you flew over before. This kind of very dynamic, ever-changing appearance of the place that gives it the appearance that it’s alive”

- Nicole Stott (former NASA astronaut)

Ein Geflecht organischer Linien zeichnet sich mal mehr, mal weniger kontrastierend vor einem dunklen Hintergrund ab. Sie sind vom Auge nicht ganz greifbar, entziehen sich immer wieder von der sichtbaren Oberfläche in die ungewisse Tiefe des Bildausschnittes. Merkwürdig vertraut und fremd zugleich breitet sich die sogenannte Wasserpest im Dortmunder Hafen und auf den Iterationen der Serie „Pest“ aus. Die vom Menschen eingeschleppte Wasserpflanze findet sich üblicherweise als Zierpflanze in Aquarien, hier eignet sie sich mit brachialer Konsequenz die nicht minder ausufernde Wirklichkeit menschlicher Lebensräume an, verdichtet das Wasser zu einem greifenden Brei ohne Oben und Unten. Der Bildausschnitt verwehrt den Betrachtenden jeden Kontext, der das Auge ankern könnte – er lässt es wandern und rätseln. Erst nach längerem Betrachten werden Hinweise auf die eigentliche Realität der Bilder möglich. Einzeln sind Spiegelungen des Himmels oder leichte Wellen zu erkennen, die die dunkle Fläche als Wasseroberfläche erkennbar machen – die Ebenen des Bildes entblättern sich erst nach und nach. Ölschlieren verschlingen sich mit Pflanzen, Licht und Wasserfluss zu einem vielschichtigem Korpus, der die Betrachtenden von der Oberfläche in die Tiefe zieht. Die Ambiguität des Bildes wird jäh unterbrochen von vereinzelten menschlichen Überbleibseln, Verpackungsmüll, der wie Seerosen den Pflanzenteppich krönt und die Vagheit der Komposition unvermittelt in die Realität überführt. Die Arbeit Pest eröffnet Fragen nach der Wechselwirkung von Mensch u. Natur, Fremd- u. Vertrautheit, nah und fern, konkret und abstrakt, Mystik und Banalität. „Pest“ ist eine vielschichtige Analyse von Deplatzierung, Entuferung und von organischen Lebensräumen im Anthropozän, vermittelt in einer eindrucksvollen, und doch nüchternen Bildsprache, die unerwartete Beziehungen offenlegt, ohne zu bewerten.